Wie ich in einem halben Jahr 20 kg verlor

Im letzten Jahr habe ich während den Monaten Februar bis Juli etwas über 20 kg abgenommen. Die ersten 10 kg sind den meisten nicht mal aufgefallen, aber 20 kg weniger bemerkt man dann doch. Seitdem werde ich andauernd gefragt, wie ich das nur gemacht habe. Das Thema Gewicht und Figur sind sehr präsent, Übergewicht ist ein weit verbreitetes Problem, viele Menschen haben mit Essstörungen verschiedener Art zu kämpfen. Wir leben heute in solchem Überfluss und Überangebot an Lebensmitteln, dass wir lernen müssen, was wir NICHT essen sollten. Die meisten von uns haben als Kinder allerdings gelernt, dass alles gegessen wird, was auf den Tisch kommt und der Teller aufgegessen werden muss, ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der es nicht selbstverständlich war, überhaupt genügend Nahrung zur Verfügung zu haben. Das ist ein Dilemma! Besonders da die Nahrungsmittelindustrie nicht auf die Gesundheit der Bevölkerung bedacht ist, sondern einzig auf Profit. Das Wissen um eine gesunde Ernährung (so vielschichtig die Meinungen dazu auch sein mögen) und der Stellenwert den diese für uns einnimmt ist eng mit dem Bildungshintergrund verknüpft. Gesundheitsaufklärung ist meiner Meinung nach etwas, dem viel zu wenig Bedeutung geschenkt wird.

Ich bin selbst keine Expertin aber möchte aufgrund der vielen Fragen, die mir gestellt werden, meine persönlichen Erfahrungen weitergeben und hoffe damit einigen eine Ernährungsumstellung zu erleichtern.

Abnehmen ist nicht schwer wenn man es wirklich möchte und bereit ist, sich langfristig von Gewohnheiten zu verabschieden. Hört sich einfach an, aber Gewohnheiten sind mächtig! Um sie besiegen zu können, müssen sie zunächst zu Bewusstsein gebracht werden. Wie ich das in Bezug auf mein Essverhalten geschafft habe, möchte ich erzählen.

Seit ich 20 Jahre alt bin habe ich relativ konstant um die 80 kg gewogen (mit 170 cm Größe). Dick war ich nicht wirklich, keine Speckrollen, keinen Bauch, einfach eine vollbusige und kräftige Frau. Das habe ich so akzeptiert und mich damit wohlgefühlt. Nach der zweiten Schwangerschaft hatte ich kurze Zeit später meine alte Figur zurück. Die körperliche Belastung zwei Kleinkinder zu betreuen war groß und mit sehr hohem Kalorienverbrauch verbunden. Zu dieser Zeit habe ich zwar vegetarisch, aber sehr unreflektiert gegessen. Unregelmäßig, unterwegs unter Stress, sehr schnell, viele Backwaren, wenig über Tage und am Abend wenn die Kinder endlich im Bett waren große Portionen.

Ab dem Tag an dem beide Kinder von morgens bis zum frühen Nachmittag in der Krippe betreut wurden, wurde meine körperliche Herausforderung plötzlich stark reduziert und ich habe, da ich weder Sport gemacht, noch meine Essgewohnheiten verändert habe, rasant 6 kg zugenommen. Mit meinem 30. Geburtstag in Aussicht, habe ich mir also vorgenommen diese 6 kg wieder abzunehmen und meine Ernährung zu verbessern. Unsere Mitbewohnerin hatte sich gerade eine Kalorienzählerapp (Hiki) installiert und ich dachte mir, ich probiere das mal aus. Mit 170 cm und 86 kg hat mir die App zur Gewichtsreduzierung über 2000 kcal am Tag ausgerechnet. 

 

Regelmäßige Mahlzeiten

Erst mit der App ist mir aufgefallen, wie viele Kalorien ich eigentlich zu mir nehme. Oft Kalorienbomben wie Croissants unterwegs im Gehen, die nicht besonders satt halten und die ich zusätzlich zu meinen Hauptmahlzeiten gegessen habe. Diese schlechten Gewohnheiten habe ich als erstes verändert. Ich habe mich zum Essen hingesetzt, regelmäßige Mahlzeiten eingenommen, mir etwas Leckeres zubereitet und zwischen den Mahlzeiten nicht noch zusätzlich gegessen. Mit diesen Veränderungen habe ich mich sehr viel wohler gefühlt und mühelos Kalorien eingespart, ohne Verzicht zu empfinden.

 

Veränderung des Speiseplans

Als nächstes habe ich bewusst Speisen mit wenig Kalorien in meinen Speiseplan integriert an denen ich mich satt essen konnte. Sehr kalorienhaltige Speisen mussten sich für mich wirklich rentieren, entweder weil sie sehr reich an Nährstoffen sind und satt halten oder einfach besonders lecker. Von Beilagen wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln habe ich kleinere Portionen gegessen und dafür dann mehr Gemüse oder Salat. Hungrig vom Tisch aufgestanden bin ich nie.

 

Verwendung der Kalorienzählerapp

1. Konsequenz

Ich habe sehr gewissenhaft über mehr als ein halbes Jahr jeden Tag alles in meine App eingetragen, was ich zu mir genommen habe. Auch die Milch im Kaffee, den Saft, das Hustenbonbon oder das Gläschen Sekt. In den ersten Monaten habe ich die Kalorienobergrenze sehr konsequent nie überschritten. Für mich ist es viel einfacher über längeren Zeitraum diszipliniert zu sein, wenn ich mir keine Ausnahmen erlaube. Zuhause habe ich mein Essen abgewogen und unterwegs geschätzt.

2. Kochgewohnheiten

Um Kalorien zu sparen habe ich die Verwendung von Öl beim Kochen stark reduziert. Auch die Anzahl der verschiedenen Zutaten in einem Gericht habe ich gering gehalten, um es beim Notieren in der App einfacher zu haben. Dabei habe ich ein Bewusstsein für Geschmacksnuancen und deren Kombinationen ausgebildet. Das Kochen, Kombinieren und Kreieren hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich habe meine Leidenschaft dafür entdeckt. Das Kochen mit wenig oder ohne Öl, die eingeschränkte Verwendung von Salz und das gezielte Einsetzen von Kräutern (am liebsten von frischen) lässt die Entfaltung der Aromen erst zu. Meine Speisen schmecken so viel besser, unterschiedlicher und sind dazu noch wesentlich bekömmlicher.

3. Ritual

Das konsequente Notieren meiner Mahlzeiten habe ich überhaupt nicht als Last empfunden, sondern es hat mich durch eine stressige und herausfordernde Zeit getragen. Ein Moment des Innehaltens, ein Ritual, das mich beruhigt hat. 

4. Langsame Kalorienreduzierung

Nachdem mir die App zu Beginn einen sehr hohen Tagesbesarf empfohlen hat, habe ich mich mit 1900 kcal nicht schwer getan und in ein paar Wochen 10 kg abgenommen. Das hatte ich nicht einmal geplant und war begeistert von meinem Erfolg. Immer nachdem mein Gewicht drei Wochen nicht mehr gesunken ist, habe ich die Kalorien um 100 kcal reduziert. Bis ich bei 1600 kcal angekommen war habe ich langsam und konstant 20 kg abgenommen. 

 

Workout

Erst nach 20 kg Gewichtsverlust habe ich mit einem täglichen 10-minütigen Workout begonnen. Dafür habe ich eine 7-Minuten-App verwendet. Die Übungen mache ich noch immer, allerdings ohne App. Auch damit bin ich konsequent, weil es mir sehr gut tut. Dieses kleine tägliche Workout lässt keine Kilos purzeln, sondern bringt den Körper in Form. 

 

Als ich begonnen habe Vollzeit im Theater zu arbeiten und zudem Sport gemacht habe, ist mein Gewicht immer weiter abgesunken. Mit 61 kg fand ich mich dann doch etwas zu dünn und ich habe die Kalorien bewusst erhöht. Seitdem esse ich meistens ca. 1700 kcal, aber ohne genau zu zählen. Man entwickelt irgendwann ein Gefühl dafür.

Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass mein Körper sich in seinem natürlichen Zustand befindet, nicht abgemagert aber ohne Fettpolster, die mich schwer und unbeweglich machen. Zum Glück ist meine Haut einigermaßen straff geblieben, wahrscheinlich weil ich nicht zu schnell abgenommen habe. Vielleicht habe ich aber auch einfach Glück mit meinem Bindegewebe. Natürlich gab es nach so einer großen körperlichen Veränderung eine Phase der Gewöhnung. Oft war ich überrascht, wenn ich mein Spiegelbild oder ein Foto gesehen habe. Mein sehr runder und weiblicher Körper hat mir manchmal sogar gefehlt, der große Busen war immer ein Teil von mir. Eine Weile habe ich mich nicht mehr so präsent gefühlt wie zuvor. Ich musste mich privat und als Sängerin umstellen. Mein Gesang an sich, sozusagen mit einem veränderten Instrument, als auch mein Körpergefühl im Raum, also auf der Bühne und in Gesellschaft haben sich verändert.

Mit der App habe ich gelernt besser auf meinen Körper zu hören, mich nicht zu überfressen, die richtigen Nährstoffe zu mir zu nehmen und auch welche Nahrungsmittel mir nicht gut tun. Seit ich mich erinnern kann, gehören häufige starke Bauchschmerzen zu meinem Leben. Das hat sich mittlerweile komplett erledigt! Ein hoher Gewinn an Lebensqualität! Besonders Fett in größeren Mengen, Weizenmehl und Kuhmilch verursachen mir Beschwerden.

Schon einige Jahre Vegetarierin, habe ich mich langsam Richtung Veganismus entwickelt. Es hat sich mir irgendwann die Frage gestellt, ob es wirklich notwendig für meinen Körper ist tierische Produkte zu konsumieren, dass Tiere gequält und ausgebeutet werden. Zum Glück ist mein Mann mit mir in diesen Dingen einer Meinung und wir haben uns gemeinsam dafür entschieden, uns konsequent vegan zu ernähren. Aus gesundheitlichen Gründen - die wir erst in vollem Ausmaß nach der Umstellung bemerkt haben -, aus Tierliebe und Respekt vor allem Leben und unserem Planeten. Für uns gibt es keine andere Möglichkeit mehr!

So hat sich also mein Wunsch ein paar Kilos loszuwerden zu einer lebensverändernden Ernährungsumstellung entwickelt. Schlank und fit zu sein ist schön, aber das Wichtigste bei alledem ist für mich die spirituelle Veränderung, die bewusstere Wahrnehmung meiner selbst und meiner Umgebung.

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